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Wernher von Braun als Namensgeber unserer Schule

Mit der Wahl des Naturwissenschaftlers Wernher von Braun als Namensgeber haben sich die dafür Verantwortlichen für einen deutschen Wissenschaftler entschieden, dem auch heute noch Weltgeltung zukommt.

Wir alle können an Wernher von Braun sicherlich lernen, wie wesentlich Motivation und Begeisterung für eine Sache den Lernerfolg schlechthin fördern. So war auch Wernher von Braun zunächst – für manche sicherlich tröstlich – ein schlechter Schüler, ausgerechnet in Mathematik und Physik. Erst seine Begeisterung für alles, was nach Rakete aussah, seine anfangs spielerisch betriebenen Versuche, weckten sein Interesse und seine Motivation für die intensive Beschäftigung mit dieser Wissenschaft und öffneten den Weg für die Entwicklung seiner außerordentlichen Fähigkeiten.

Der Name Wernher von Braun steht aber auch für die schockierende Ambivalenz moderner Wissenschaft und Technik, die sowohl für den Fortschritt der Menschheit eingesetzt werden können wie auch für die Vernichtung der Menschheit. So können bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse sowohl für zivile Zwecke genutzt als auch für militärische Ziele missbraucht werden. Der Wissenschaftler Wernher von Braun ist in diesem Zusammenhang eng in die Problematik der jüngeren deutschen Geschichte verstrickt. Wernher von Braun sah anscheinend kein Problem darin, sich mit den nationalsozialistischen Machthabern in Deutschland zu arrangieren. Er wurde nicht nur 1937 Mitglied der NSDAP, sondern später auch Mitglied der SS. Für die Serienherstellung der V2 wurden Häftlinge des Konzentrationslagers Dora-Mittelbau eingesetzt, die ihre Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen verrichten mussten. Der Einsatz der „Vergeltungswaffe“ V2 forderte in der letzten Kriegsphase insgesamt über 5000 Menschenleben, hauptsächlich auf Seiten der Zivilbevölkerung. Doch noch mehr Opfer forderte der Bau der Waffe selbst. Bei der Produktion der vermeintlichen „Wunderwaffe“ im unterirdischen Werk Dora-Mittelbau in Thüringen starben mehr als 10000 KZ-Insassen.

Zitat:
Wernher von Braun sagte später immer wieder, er habe von den Zwangsarbeitern, ihren Qualen und den vielen Toten nichts gewusst. Das ist unvorstellbar – er war verantwortlich, er war vor Ort.

(Albert van Dijk, holländischer Zwangsarbeiter im KZ Mittelbau-Dora)

Für die Anwesenheit Wernher von Brauns im Lager Dora-Mittelbau gibt es keine direkten Belege. Allerdings liegt sein Brief vom 15. August 1944 an Albin Sawatzki vor, der für die Planung und Steuerung der V2-Fabrikation verantwortlich war. Dieser belegt, dass Wernher von Braun im KZ Buchenwald war und dort selbst Häftlinge aussuchte. Ebenfalls historisch belegt ist ein Gefängnisaufenthalt im März 1944, als Wernher von Braun auf Betreiben Himmlers von der Gestapo verhaftet wurde. Ihm wurden Verrat und Wehrkraftzersetzung sowie Vorbereitung zur Flucht nach England vorgeworfen. Nur seine besondere Bedeutung im A4-Programm hat ihn nach Intervention von Speer und Dornberger bei Hitler wieder freikommen lassen.

Zitat:
Das ´Dritte Reich´ bot ihm die Möglichkeit, seinen Traum zu verwirklichen. Das hatte etwas Faustisches – er verkaufte sozusagen seine Seele an das Böse. Aber vielleicht war ihm das gar nicht bewusst, oder er nahm es in Kauf.

(Christoph von Braun, Neffe)

In den USA beschleunigte sich seine Karriere in den 60er Jahren, nachdem er den Präsidenten J. F. Kennedy und die amerikanische Öffentlichkeit für ein Mondlandeprogramm begeistern konnte. Seine Popularität wuchs rasch auch infolge seiner Bücher und seiner öffentlichen Auftritte. Jetzt wurde in der Öffentlichkeit gelegentlich nach seiner Vergangenheit im Dritten Reich gefragt. Wernher von Braun distanzierte sich dabei stets vom Nationalsozialismus, wies aber jede persönliche Mitverantwortung zurück. Der amerikanische Liedermacher Tom Lehrer widmete ihm einige pointierte Verse, die die problematische Verhaltensweise des Naturwissenschaftlers Wernher von Braun ansprechen:

Once the rockets are up,
who cares where they come down,
“That´s not my department”,
says Wernher von Braun.


(zit. in: Eisfeld, Mondsüchtig. Wernher von Braun und die Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei, Reinbek, 1996)

Eine Wertung über das Leben Wernher von Brauns abzugeben ist schwierig. Die bisher über ihn veröffentlichten Biographien können grob in zwei Kategorien eingeteilt werden: in die vor und nach 1989/90 erschienenen. Zunächst wurde er hier überwiegend als reiner Wissenschaftler betrachtet, der nur deshalb mit Politik und Militär zusammenarbeiten musste – u. a. von der SS dazu gezwungen -, um seine Ziele verfolgen zu können. Durch die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedervereinigung Deutschlands bekannt gewordenen Dokumente wurde aber deutlich, dass einige dieser Einschätzungen nicht mehr gehalten werden konnten und dass Wernher von Brauns Karriere vor allem hinsichtlich seiner Verstrickung in das Dritte Reich dunkle Seiten aufweist.

Wir müssen uns heute unvoreingenommen, ohne Tabu, aber ebenso differenziert mit dem Verhalten eines der bedeutenden Männer unseres Jahrhunderts in konkreten historischen Situationen auseinandersetzen. Seine Persönlichkeit kann ein Beispiel sein für die Auseinandersetzung mit schwierigen Fragen, wie denen nach den Möglichkeiten und der Verantwortung des Einzelnen im Kraftfeld von Machtstrukturen, wie z.B. dem Nationalsozialismus oder anderen politischen Systemen.

im November 2007, M. Milkau




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