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„Wernher von Braun – ein problematischer Namensgeber?“

Am 30.06.2009 fand an der Wernher-von-Braun-Schule eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wernher von Braun – ein problematischer Namensgeber?“ statt.
Eingeladen zu der sehr gut besuchten öffentlichen Veranstaltung hatten die Schulgemeinde, der Schulträger und die Fuldaer Zeitung. Die Veranstaltung wurde moderiert durch Herrn W. Zoth, den Pädagogischen Leiter der Wernher-von-Braun-Schule und Herrn H. Zimmermann, Redakteur der Fuldaer Zeitung.

Auf dem Podium standen zur Verfügung: der renommierte amerikanische Technikhistoriker Michael J. Neufeld, dessen grundlegende Biographie „Wernher von Braun – Visionär des Weltraums/Ingenieur des Krieges“ im April dieses Jahres in deutscher Sprache erschienen ist, Thorsten Heß, wiss. Mitarbeiter in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Bernd Woide, Landrat des Landkreises Fulda und M. Milkau, Schulleiter der Wernher-von-Braun-Schule-Neuhof.

Die Veranstaltung wurde eingeleitet durch die Präsentation eines Filmausschnittes vom Besuch von Brauns an unserer Schule am 23. Mai 1975. Anschließend gab der Landrat des Landkreises Fulda einen knappen Rückblick auf die Schulgründung und die Namenswahl der Schule durch die zuständigen Gremien im Rahmen einer zeitgeschichtlichen Einordnung des Vorgangs. Im Mittelpunkt stand dann ein ausführlicher Vortrag von Michael J. Neufeld zum Thema „Wernher von Braun and National Socialism“, der für die Zuhörer übersetzt wurde. Anschließend bezog Herr Thorsten Heß Stellung, er forderte dazu auf, sich über die Details der Verwicklung Wernher von Brauns in NS-Verbrechen zu informieren und empfahl abschließend eine Namensänderung der Schule, da Wernher von Braun für die heutige Jugend keinen Vorbildcharakter mehr haben könne. Der Schulleiter stellte dar, dass sich die Schule schon immer jeweils angemessen mit dem Forschungsstand im Zusammenhang mit der Persönlichkeit Wernher von Brauns auseinandergesetzt habe. Diese werde nicht nur auf der homepage der Schule deutlich, sondern vor allem auch an unterschiedlichen Projekten im Unterricht beginnend in der Jahrgangsstufe 5.
Diese Ausführungen wurden ergänzt durch konkrete Erläuterungen einzelner Kollegen (z. B. Herr Elschner  zum Physikunterricht). Herr Meier und Herr Bartels erläuterten in diesem Zusammenhang aktuelle Vorarbeiten zu weiteren Unterrichtsprojekten, die sich speziell ebenso mit den „problematischen Aspekten“ des Namensgebers auseinandersetzen sollten – konzipiert für unterschiedliche Schulformen und Jahrgangsstufen in Zusammenarbeit auch mit der Gedenkstätte Mittelbau Dora. Frau OStR'in Cordula Stoll vom Wernher-von-Braun-Gymnasium im bayrischen Friedberg  stellte dar, dass die Diskussion um den Namensgeber Wernher von Braun dort schon vor Jahren geführt worden sei, dass ein Arbeitskreis entschieden habe, den Namen beizubehalten und dass die schulischen Gremien und der Kreistag diesem Votum gefolgt seien.
Am Ende einer interessanten und anregenden Diskussion erklärte Landrat B. Woide, dass er keine stichhaltigen Beweise für eine Schuld im strafrechtlichen Sinne bei von Braun erkennen könne. Er erklärte, der Schulgemeinde ausreichend Zeit für eine umfassende Beschäftigung mit von Braun geben zu wollen. „Das Ergebnis dieses Prozesses werde ich voll unterstützen, egal ob dies eine Umbenennung oder Beibehaltung des Schulnamens bedeutet“, beschied der Landrat.

Juli 2009,  M. Milkau




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