Auf den Spuren Wernher von Brauns
Einen privaten Aufenthalt an der Ostsee im Herbst des Jahres 2007 nutzte ich zu einem Besuch der Insel Usedom. In Peenemünde erhoffte ich mir Anregungen und zusätzliche Informationen über Wernher von Braun, den Namensgeber unserer Schule, insbesondere auch, weil ich gerade mit der Erstellung des Artikels über Wernher von Braun für unsere Schulwebsite beschäftigt war.
Die bedeutendsten "Sehenswürdigkeiten" von Peenemünde sind die übriggebliebenen Reste der Wehrmacht. In einem monströsen Backsteingebäude am Hafen - dem ehemaligen Kohlekraftwerk der alten Heeresversuchsanstalt - ist heute das Historisch-Technische Informationszentrum untergebracht. Hier kann man mehrere Ausstellungen besuchen: Der erste Ausstellungsabschnitt "Raketenentwicklung in Deutschland bis zum Kriegsende" aus dem Jahre 2000 wurde im Jahr 2001 ergänzt mit der Ausstellung "Das Erbe von Peenemünde", die die Weiterentwicklung der Raketentechnik von damals bis heute veranschaulicht.
Aktuell wurde im Herbst 2007 in einer weiteren Ausstellung der Naturwissenschaftler Karl Hans Janke mit Bezug auf Wernher von Braun näher vorgestellt. Das Museum zählt heute mit jährlich 300.000 Besuchern zu den meistbesuchten Deutschlands.
Der Prospekt verspricht: "Peenemünde stellt Fragen nach der Rolle der Technik in der Gesellschaft und nach der Verantwortung von Technik und Wissenschaft gegenüber Mensch und Natur. Dies sind Kernfragen für die Zukunft unserer Gesellschaft." Die Antworten der Ausstellung auf diese Fragestellungen, insbesondere auch was die Rolle Wernher von Brauns angeht, empfand ich persönlich eher als unbefriedigend. Die Ausstellungen bieten zwar eine Fülle von historischen Materialien, ihre Präsentation erscheint mir persönlich aber nur bedingt geeignet, um Problembewusstsein oder gar Betroffenheit im Sinne der oben genannten Fragestellungen bei einem vorgebildeten Besucher zu erzeugen.
Auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Ausstellungskatalog (J. Erichsen und B. Hoppe (Hg.), Peenemünde- Mythos und Geschichte der Rakete /1923 -1989, München und Schwerin 2004) hat mir, was die Einschätzung der Persönlichkeit Wernher von Brauns angeht, nur mit Einschränkungen weitergeholfen.
Einen überaus gelungenen Beitrag zum Umgang mit den dunklen Seiten unserer Geschichte findet man aber ebenfalls auf der Insel Usedom. Ich persönlich war sehr stark beeindruckt und betroffen von einem Besuch der Mahn- und Gedenkstätte auf dem Golm, nahe Kamminke. Der ehemalige Ausflugshügel Golm wurde 1945 zu einem der größten Kriegsgräberfelder Deutschlands, als auf ihm die 23.000 Opfer der amerikanischen Luftangriffe auf Swinemünde beigesetzt wurden. Am Wegeaufgang weist heute ein fünf Meter hohes Holzkreuz auf die Gedenkstätte hin und mahnt in Sichtweite der polnischen Grenze zur Versöhnung über Gräber und Grenzen hinweg. Symbolkreuzgruppen aus Granit und Holz und Bronzetafeln mit inzwischen fast 2000 Namen erinnern an die Genannten, aber ebenso an die vielen unbekannten Toten, die hier und unter den Trümmern der Stadt Swinemünde ihr Grab fanden. Die heute am Aufgang zum Mahnmal stehende Skulptur "Die Frierende" des Bansiner Bildhauers Rudolf Leptien, zeigt eine in einen Soldatenmantel gehüllte frierende, trauernde Mutter.
Die bereits 1953 geschaffene Plastik durfte allerdings erst 1984 am Golm aufgestellt werden, da der Künstler als Republikflüchtling für die Machthaber auch hier in Usedom, dem äußersten Winkel der DDR, nicht tragbar war.
Auf dem Gipfel wurde 1968 das vom Rostocker Bildhauer Wolfgang Eckhard ringförmig gestaltete zentrale Mahnmal errichtet. Die Worte von Johannes R. Becher "Dass nie mehr eine Mutter ihren Sohn beweint" liest man an der Ostwand des Innenhofes, in der Mitte die Inschrift "23.000 Tote des Zweiten Weltkrieges mahnen". Ein neu errichteter Pavillon informiert auf dem Gelände der Gedenkstätte mit einer kleinen Ausstellung über die tragischen Ereignisse.
im November 2007
Manfred Milkau
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